Getagged: Konsumkritik

1957 Chevrolet (Chevy) Bel Air 4 Door Sports Sedan Hardtop

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Die Bedeutung des Automobils für unsere Gesellschaft ist vielfältig. Eine politische Analyse für die Zeit von 1933 bis 1974 liefert diese wissenschaftliche Arbeit: Gregor M. Rinn – Das Automobil als nationales Identifikationssymbol – Zur politischen Bedeutungsprägung des Kraftfahrzeugs in Modernitätskonzeptionen des „Dritten Reichs“ und der Bundesrepublik.

Erste Ansätze für Kritik am massenhaften Konsum von Automobilen gab es bereits damals, trotz der allgemeinen Motorisierungseuphorie. Davon berichtet der Verfasser im Abschnitt „Der amerikanische „Straßenkreuzer“ als Inbegriff der Schattenseiten der Konsumgesellschaft“ (Seite 153).

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Autonormalverbraucher

Vom „Otto Normalverbraucher“ zum „Autonormalverbraucher“. Die Konsumwelt ist für den automobilen Verkehr ausgelegt: ohne Auto kein Normalverbraucher. Das Automobil wird zur Konsummaschine. Deshalb kämpft nicht nur die Autolobby für den motorisierten Individualverkehr. Auch der Stadtrand-Einzelhandel lebt von diesem Mobilitätskonzept. Der Innenstadt-Handel klammert sich an Parkhäuser und die wenigen noch existierenden Parkuhr-Parkplätze.

Manche Produkte sind – in der heutigen städtischen Struktur – mit dem Fahrrad oder zu Fuß nicht sofort verfügbar. Aus Distanz- oder Kapazitätsgründen. Keine Spontankäufe bedeuten weniger Überfluss. Der Kopf wird frei für sinnvollen Konsum. Geschwindigkeit und Reichweite sind niedriger, der geforderter Körpereinsatz höher. Zusammen mit kleinerer Auswahl und verzögerter Verfügbarkeit schärft das den Blick für den Wert eines Gutes. Weniger Konsum bedeutet mehr freie Zeit.

Der Autonormalverbraucher und seine Konsummaschine: überflüssige Investition für Überfluss-Investitionen.