Bewertung des Verkehrsversuchs in der Frölichstraße

In der Augsburger Fröhlichstraße wurde testweise ein Fahrradstreifen in beiden Richtungen angelegt. Mit gelben Markierungen. Ich bewerte diesen Verkehrsversuch:

  • stadteinwärts wurden Parkplätze erhalten. Zwischen dem Parkstreifen und dem Radstreifen ist ein Abstand markiert. Es handelt sich um die „Door Zone“. Das ist der Bereich der sich öffnenden Autotüren bei aus- und einsteigenden Fahrer_innen. Es ist schön, dass an diesen Streifen gedacht wurde, er entspricht auch dem Standard (mit begrenzter Schutzwirkung, denn die Auto-Türen öffnen deutlich weiter als der markierte Bereich. Somit besteht ein eingeschränkter Schutz vor Autotür-Unfällen). Ein weitere Effekt der Parkplätze: die Straßenbreite reicht nur noch für einen relativ schmalen Fahrrad-Schutzstreifen. Schon mit Packtaschen oder mit einem Lastenfahrrad bleibt wenig Platz für die Pendelbewegungen, die für das Fahrradfahren notwendig und typisch sind. Ein Ausweichmanöver bei einer sich öffnenden Autotür oder einer unaufmerksam ausparkenden Fahrzeuglenkerin oder einem Fahrzeuglenker führt unweigerlich auf die Fahrspur für KFZ.
  • stadtauswärts wurden die Parkplätze gestrichen. Der Unterschied ist deutlich: eine breite Fahrradspur ohne das Risiko der Autotüren und ohne ein- und ausparkende Fahrzeuge.
  • eine unangenehme und gefährliche Stelle entstand am Ende des Radstreifens Richtung Osten (Bahnhofstunnel/Pfersee). Die PKW/LKW/Busse haben einen geraden, direkten Weg zur Ampel. Die Fahrradfahrenden werden direkt in diesen Weg geleitet. Die gleichzeitig vorhandenen weißen und gelben Markierungen erschweren die Orientierung. Die an der Ampel rechtsabbiegenden Fahrzeuge kreuzen ebenfalls den Weg.

Mein Fazit: der Verkehrsversuch könnte bei Nutzerbefragungen ein negatives Ergebnis bringen, weil der Testaufbau nicht alle Möglichkeiten für eine sichere und angstfreie Radverkehrsanlage ausschöpft. Erst eine verbesserte Gestaltung sollte die Grundlage für eine tragfähige Evaluierung sein. Eine Verbesserung vor der Kreuzung halte ich dabei für die wichtigste Maßnahme. Ob Tempo 30 noch ergänzend eingeführt wird, konnte ich nicht herausfinden. In der Stadionstraße z.B. wurde Tempo 30 erst nachträglich an einer Engstelle ausgewiesen.

Können Tempo 30 und die Verlängerung des Radstreifens die Situation verbessern? Das bedeutet, den Fahrradstreifen bis zur Kreuzung vorzuziehen und die Rechtsabbiegerspur entfallen zu lassen.

UPDATE: Ich habe einen zweiten Teil geschrieben und weitere Aspekte bewertet: Fröhlichstraße Teil 2: der „Augsburger Weg“

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