bunt vs. grau

Heute gabe es eine kleine Demo in Augsburg. Der Einfachheit halber hänge ich den Text der Organisatoren ganz unten an. Die Polizei sperrte die Kreuzung für KFZ zwischen 15:30 und 16:00 mehrfach, jeweils nur für wenige Minuten. Die Geduld der Wartenden war überschaubar, schnell drehten einige ab und suchten sich lange Umwege. Auf den Fotos sieht man, wie bunt das Fahrradleben ist und wie gleichförmig die Schlange der modernen PKW.

Hier ist der Text zur Demo: Wir bauen symbolisch einen Kreisverkehr auf. Warum? Hier die gemeinsame Erklärung mit dem Klimacamp, dem ADFC, dem Forum Augburg lebenswert und dem Radentscheid:Fahrradstadt: wo bleiben 2020 die Volltreffer? unter dem Titel „Fahrradstadt 2020“ schickte sich Augsburg 2012 an, in die Championsleague des umweltfreundlichen Verkehrs aufzusteigen. Auf halber Strecke ging die Puste aus und man strich kurzerhand die Jahreszahl aus dem Ziel: Fahrradstadt irgendwann. Dennoch bietet die symbolträchtige Jahreszahl einen guten Anlass, die Chancenverwertung in diesem Jahr auf den Prüfstand zu stellen.Nach langer – jahrzehntelanger – Vorarbeit durch zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen entschloss sich die Stadt zu einer Aktion am als Angströhre berüchtigten Pferseer Tunnel: seit den Frühjahr signalisieren dort zwei Schilder Tempo 30. Grund zu uneingeschränktem Jubel? „Leider nein“, urteilt Petra Kammerer von der Bürgeraktion Pfersee, „es wirkt auf mich so, als hätte man nur das Allernötigste getan. Warum keine deutlichere Kennzeichnung, etwa mit einem farbigen Hinweis auf der Fahrbahn oder Smileys, die die tatsächliche Geschwindigkeit anzeigen. Warum beschränkt sich das radfreundliche Tempo auf den Tunnel? Im weiteren Verlauf bis zur Luitpoldbrücke passieren zu viele Unfälle, da muss auch Tempo 30 her. Auch die parkenden Autos machen es gefährlicher. Ich fordere Nachbesserungen“.Beim Ausbau der Infrastruktur für Autos spielt Augsburg durchaus bei den Großen mit. So bekam die Stadionstraße vom TVA bis zur Schießstättenstraße im Hochsommer einen neuen Belag. Die Strecke wurde für einige Wochen gesperrt und die Baufahrzeuge rückten an. Eine gute Vorlage um auch etwas für den emmissionsfreien Verkehr zu tun und den geplanten Kreisverkehr an der Kreuzung zur Schießstättenstraße und Perzheimstraße umzusetzen. Verwandelt? Leider nein. „Wir vom ADFC hätten es so gerne gesehen, wenn man wenigstens eine der geplanten Radachsen endlich durchgehend fertig gestellt hätte. Der Kreisverkehr an dieser Stelle würde eine wichtige Lücke in der Achse III schließen. Wir können nicht nachvollziehen, warum dies bis zur Umsetzung der Linie 5 warten soll.“ so Almut Schwenke vom ADFC-Vorstand und vom Bürgerbegehren „Fahrradstadt jetzt“.Immerhin ein Abstauber gelang bei der Ertüchtigung der Stadionstraße: es gibt jetzt Schutzstreifen für Radfahrer auf beiden Seiten. Endlich ein Volltreffer? Wieder nicht. „Ich finde es gut, dass sich jetzt mehr Leute mit dem Rad auf diesen Straßenabschnitt trauen. Die Autos fahren langsamer“ beobachtet Ingrid Schaletzky, die sich im Forum Augsburg lebenswert und im Seniorenbeirat engagiert. „Aber bei der Verkehrsinsel sehe ich ein großes Gefahrenpotential. Da endet der Schutzstreifen einfach unvermittelt. Wenn hier Autofahrer, die sich nicht auskennen, auf unsichere Radfahrer stoßen, kann es leicht zu brenzligen Situationen kommen. Gerade für die ganz Kleinen und die reiferen Jahrgänge bedeutet das Rad ein wichtiges Stück Freiheit. Das setzt eine sichere Infrastruktur voraus. Und diese hat hier eine gefährliche Lücke“.Das Klimacamp spielt bundesweit in der ersten Liga. Als erstes seiner Art hat es Aktivisten in vielen anderen Städten inspiriert, auf diese Weise auf klimafreuliches Handeln zu drängen. „Den konsequenten Umstieg aufs Rad sehe ich als schnellste und effektivste Möglichkeit an, wie Augsburg seinen Teil zur Erreichung der vereinbarten Klimaziele beitragen kann“, so Janika Pondorf vom Klimacamp. „Warum läuft das alles so halbherzig? Warum immer wieder die faulen Kompromisse mit den CO2-Schleudern? Bitte, bitte eine Fahrradstadt jetzt, aus einem Guss, die den Namen verdient.“