Jetzt klappt es doch!

klappraeder

Ich hatte von Problemen mit der Klappradmitnahme in Augsburger Straßenbahnen berichtet. Seit Anfang Juni dürfen 20-Zoll-Falträder in den öffentlichen Verkehrsmitteln Augsburgs mitgenommen werden. Ich hatte beim Kundenservice angefragt, ob das auch für Klappräder gilt (mit Bild), die Mitnahmemöglichkeit wurde bestätigt. Daraufhin habe ich die Mitnahme ausprobiert. Der eine Fahrer war unzufrieden, weil ich das Rad erst in der Bahn gefaltet habe, der andere Fahrer kannte die neue Regelung gar nicht. Ich habe darüber gebloggt und ein Facebook-Freund hat den Beitrag ohne mein Zutun an die Stadtwerke weitergeleitet.

Wenige Tage später meldete sich überraschend die „Abteilungsleiterin Projektkommunikation“ der Stadtwerke per E-Mail und teilte mir mit, dass ein Klapprad kein Faltrad sei: „Die Mitnahmemöglichkeit bezieht sich ausdrücklich auf Falträder mit einer Reifengröße bis 20 Zoll … Der Lenker Ihres Klapprades ist ausragend, beim Faltrad wird auch der Lenker eingeklappt.“ Sie rechtfertigte damit den rauen Ton des Fahrers und schloss mit den Worten: „Also, die Mitnahme gilt für Falträder, vielleicht bauen Sie sich ja eins? Ich wäre gespannt drauf.“

Ich bat sie daraufhin um konkrete Spezifikationen. Ich wies darauf hin, dass die Begriffe „Faltrad“ und „Klapprad“ nicht besonders definiert sind. Der Lenker kann bei Klapprädern versenkt und quer gestellt werden, manchmal sind die Pedale klappbar. Ich bat um spezielle Packmaße oder Angaben zu zulässigen Bauformen.

Während ich auf eine Antwort wartete, erschien ein lustiger Kommentar dazu: http://www.neue-szene.de/magazin/eintagsfliege/stra%C3%9Fenbahn-augsburg-falten-klappt-klappen-klappt-nicht

Nach fünf Tagen Wartezeit fragte ich per E-Mail nach. Und bekam folgende Antwort: „wir haben auch einige wenige Spezialisten für Fahrräder im Haus und die haben mir bestätigt, dass man Klappräder in der Straba mitnehmen darf.“

Die Klappradmitnahme ist also möglich. Für diese Bestätigung habe ich E-Mails mit dem Kundenservice gewechselt, wurde von Fahrern unfreundlich begrüßt und habe mit der „Abteilungsleiterin Projektkommunikation“ diskutieren müssen, die das Wort „Entschuldigung“ nicht kennt. Positiv bewerte ich die am Ende klare Entscheidung pro Klapprad, ohne zusätzliche Bedingungen.

Die Stadtwerke-Werbung wirkt so, als wäre die Mitnahme nur mit dem speziellen Stadtwerke-Faltrad „Tern“ (600 Euro) erlaubt. Das wäre ein sehr exklusives Angebot, exklusiv im Sinne von ausschließend für alle Menschen, die ein anderes, vielleicht günstigeres Modell besitzen. Das wäre ein Marketing-Gag, aber keine echte Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Ich freue mich, dass jetzt die einzig sinnvolle Lösung bestätigt wurde.

Der nächste Schritt sollte sein, die Mitnahme aller 20-Zoll-Fahrräder freizugeben, auch ohne Klappmechanismus. Die BMXer zum Beispiel würden sich freuen, wenn sie ihr Sportgerät mitnehmen könnten. Im Regionalzug der Deutschen Bahn ist das so. Dort ist nur die Reifengröße beschränkt, auf 20 Zoll, das funktioniert seit Jahren problemlos. Bahn, Bus und Straßenbahn sind über den AVV Augsburger Verkehrsverbund zusammengeschlossen. Deshalb wären gleiche Bedingungen in allen Nahverkehrsarten sinnvoll und würden neue Kombinations-Möglichkeiten eröffnen.

Zu diesem Thema bekam ich eine weitere Belehrung, mit Bezug auf den oben genannten Kommentar: „Wenn wir nämlich solche Bürokraten wären, die sich mit all den Winkelmessungen und -zügen beschäftigen, gäbe es vermutlich keine Fahrradmitnahme, wahrscheinlich auch keinen Nahverkehr. Weil wir aber Spezialisten dafür sind, wie man guten Nahverkehr macht, ist es uns wichtig, die Leute in allen Lebenslagen mobil zu halten oder auch neudeutsch Mulitmodalität genannt.“

Tja, in Leipzig zum Beispiel ist die Mitnahme von Fahrrädern aller Art in der Straßenbahn und im Bus möglich, zum Preis eines Kinderfahrscheins. Studenten können mit dem Studentenausweis in der Zeit zwischen 19.00 Uhr und 5.00 Uhr Fahrräder in der Straßenbahn kostenlos mitnehmen. Klapp-/Falträder sind als Gepäckstück immer kostenfrei. Bürokraten und Spezialisten definieren sich in jeder Stadt unterschiedlich.

 

 

 

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