Cab-Bike

Mein neues Kabinenfahrrad. Eine Seltenheit, Kleinserie. Den Hersteller gibt es nicht mehr, zwischen 1998/99 und ca. 2012 wurden etwa 100 Exemplare von Hand gebaut und verkauft. Grundpreis: ca. 5.000 Euro. Mit Elektromotor bis zu 9.000 Euro.

Mein Fahrzeug trägt die Produktionsnummer 0015. Beispiele für den Produktionsverlauf:

  • Nr. 0004: verkauft 1999
  • Nr. 24: 2001
  • Nr. 36: 2002
  • Nr. 49: 2002
  • Nr. 58: 2004
  • Nr. 78: 2007
  • Nr. 80: 2008.

Es macht irre Spaß, damit zu fahren. Mir und allen, die es bisher ausprobiert haben. Jeder steigt mit einem dicken Grinsen wieder aus. Die Lenkung ist sehr leichtgängig, die Sitzposition bequem. Der Ein- und Ausstieg ist nicht ganz so komfortabel, die Rundum-Sicht eingeschränkt. Es gibt einen Rückspiegel im Dach, der absolut notwendig ist und gut funktioniert. Der Scheibenwischer wird über einen Hebel unterm Dach von Hand betrieben. Die Frontscheibe kann unter die Fronthaube geschoben werden, alle Fensterflächen mit den Plastik-Scheiben sind per Klettverschluß komplett entfernbar. Sicher angenehm bei hohen Sommertemperaturen.

Ich habe keine andere Velomobil-Erfahrung. Aber ich habe nachgelesen: dieses Modell gilt als eher langsam, aber geräumig. Genau das Richtige für mich. Zwei mittelgroße Rucksäcke passen rein, viel Kleinkram und man kann zum Beispiel im Sitzen bequem seine Jacke ausziehen, wenn es zu warm wird. Und es WIRD warm: selbst im Winter reicht ein Pulli, wenn die Betriebstemperatur des Fahrers erreicht ist.

Ich war früher mal eingefleischter Autofahrer. Das Cab-bike erinnert mich manchmal an das Gefühl, in einem Auto zu sitzen. Nur ist es hier viel unkomplizierter. Ich freue mich jedesmal, dass ich mich nur hinsetzen muss und einfach lostrete. Kein Sicherheitsgurt, kein Zündschlüssel, keine Kosten, kein Parkschein, kein Tanken, kein TÜV, keine Sorgen. Nur Freude an der lustigen Fortbewegungsart. Stau? Fahr ich einfach dran vorbei.

Im Winter ist das Cab-Bike nicht sehr kommunikativ, wenn man mit Freunden auf Fahrrädern unterwegs ist. Bei geschlossenen Scheiben und wegen der Geräuschentwicklung der ungedämmten Karosserie versteht man Begleiter nur, wenn man das Ohr an die Fensteröffnung hält. Auf Kopfsteinpflaster (in Augsburg gibt es viel davon) rappelt es so sehr, dass man mit dem baldigen Auseinanderfallen der Kiste rechnet. Aber die Vollfederung hält, was sie verspricht. Was klappert, bricht nicht, sagt man.

Wirkliches Gift sind nur Straßenbahnschienen. Das Fahrzeug fährt entweder mit einem Vorderrad oder mit dem Hinterrad in der Schiene, das ist unvermeidbar. Die schmalen Reifen finden nur schwer wieder hinaus. Ich meide inzwischen kompromisslos Schienenpassagen, wenn der Platz neben dem Gleis für mich nicht ausreicht. Alles andere hat keinen Sinn. Ein dicker Hinterreifen wäre vielleicht eine Lösung.

Eh klar, dass man mit so einem Fahrradmobil nicht unbeobachtet unterwegs sein kann. Autos fahren langsam nebenher, um zu beobachten, Passanten drehen die Köpfe und beim Abstellen an öffentlichen Plätzen schauen sich die Menschen das Gefährt genau an.

Detailbilder folgen später. Es gibt auch für mich noch viel zu entdecken. Zum Beispiel den Antrieb, dessen Kapselung ich im hinteren Teil noch nicht geöffnet habe.

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