Phänomenologie: der Zugwanderer

bahnhof fahrrad

Dieser Beitrag widmet sich dem Zugfahren, das nicht primär etwas mit Fahrradkultur zu tun hat. Mit Ausnahme der Fahrradmitnahme im Zug. Sobald man sein Rad mit an Bord nimmt, reduziert sich die Wahl des Sitzplatzes auf die direkte Umgebung der Fahrradabstellfläche. Meistens wird es dort eng. Man sitzt häufig auf einem Notsitz, der von der Wand geklappt werden kann. Mit den Füßen Richtung Durchgang. Jeder, der vorbei will, stört oder wird dadurch gestört. Hier kommt er ins Spiel: der Zugwanderer. Davon gibt es zwei Typen:

1. Der wählerische Platzsucher:
Er steigt irgendwo in den Zug ein. Ob vorne oder hinten ist ihm egal. Er fährt selten Zug. Es hat keine Sorge, im vollen Pendlerzug überhaupt einen Sitzplatz zu finden. Er will den PERFEKTEN Sitzplatz, auch wenn die Fahrt nur eine halbe Stunde dauert. Also marschiert er an vielen freien Sitzen vorbei. Weil hier eine Tasche auf dem Sitz liegt, dort ihm die Nase des Nachbarn nicht gefällt, und zuletzt ist natürlich die Fahrtrichtung wichtig („ich will nicht mit dem Rücken nach vorne sitzen…). So wandert er zwischen den Abteilen hin- und her, nervt die Menschen auf den Klappsitzen und hat am Ende doch keinen Doppelsitz oder eine Viererkombi mit Tisch für sich allein. Schon gar nicht ab dem nächsten Halt, wenn sich der Zug vollends füllt.

2. Der Effektivling
Er sitzt irgendwo in der Mitte des Zuges und beginnt seine Aktivität kurz vor dem Ausstiegshalt. Weil die Bahnsteige recht lang sind, will er etwas Zeit sparen, in dem er während der Fahrt des Zuges in diesem schon einmal in die richtige Richtung geht. Er hastet also durch die vollen Abteile und nervt dabei seine Mitfahrer.

Bei beiden Varianten besonders nervend: mit vollem Rucksack seitwärts durch die Menge und dabei nicht bedenken, dass dieser dicke Rucksack auch Platz braucht und in die Gesichter der Sitzenden schlägt.

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