Mein erstes Auto

scirocco

Als ich 18 wurde, hatten nur wenige Mitschüler ein eigenes Auto. Meist mit vermögenden Eltern.  Mit 18 1/2 hab ich es auch alleine geschafft: ich kaufte einen verbrauchten VW Scirocco. 50 PS, marsrot mit schwarzen Kunstledersitzen. Finanziert mit Pizza ausfahren. Der Scirocco  hielt nicht lange. Danach kamen ein Renault 4, ein Golf, ein Honda Civic, eine Zeit lang Carsharing mit dem Mitbewohner, ein Polo, ein Uno, ein Renault 5, ein Volvo 245.

Ich war stolz wie Otto, dass ich eine eigene Karre hatte. Hab selber daran herumgepfuscht, hab lange Zeit Auto- und Oltimerzeitschriften gelesen, von allen möglichen Autos geträumt. Ich wollte aber unabhängig sein von Werkstätten und sonstigen Lästigkeiten. Das hat nicht funktioniert, vor allem, je älter ich wurde. Die Autos mussten nun zuverlässig sein, ich musste damit schließlich in die Arbeit kommen. Also keine Reparaturversuche am Straßenrand mehr. Stattdessen hunderte Werkstatteuros. Und mit jedem Jahr wurden die alten Autos teurer: höhere Steuern, teurere Ersatzteile, verschärfte Pflichten. Als staatliche Konjunkturhilfe für die Autohersteller. Anfangs bin ich im Winter noch mit Sommerreifen durchgekommen. Zuletzt ging das nicht mehr. Beim Volvo habe ich auf Euro 2 hochgerüstet, damit die Steuer bezahlbar blieb.

Dann habe ich das eigene Auto aufgegeben. Nach dem Volvo kamen die Fahrräder. Erst jetzt hab ich mein Ziel erreicht. Unabhängigkeit. Weil ich an meinen Rädern inzwischen alle Arbeiten selbst erledigen kann.

Advertisements