Tallbike fahren

Tallbikes sind Fahrräder mit mehreren Stockwerken. Fahrräder mit erhöhter Sitzposition. Im einfachsten Fall gebaut aus zwei übereinandergeschweißten Fahrradrahmen. Bis hin zu Rahmeneigenkonstruktionen in allen erdenklichen Formen.

Warum? Das will ich anhand meiner Erfahrungen beschreiben:

An Tallbikes kommt man nicht vorbei, wenn man das Internet nach Fahrradkultur absurft. Irgendwann entdeckt man das erste Modell. Die Neugierde wächst. Die wichtigste Frage, die auch ich am Anfang hatte: „wie steigt man auf, wie steigt man ab?“. Youtube liefert Videos mit der Antwort.

Der nächste Schritt ist das Interesse, es selbst auszuprobieren. In der typischen deutschen klein- bis mittelgroßen Stadt gibt es aber keine Tallbikes. Selbst wenn, vielleicht in irgendeiner Garage – erfährt man es nicht.

Selber bauen geht mangels Möglichkeiten (Schweißgerät) erst mal nicht. Bis eine Anleitung für eine Version ohne Schweißen auftaucht. Abenteurlich. Aber ich habe sie erfolgreich nachgebaut.

Der erste Aufstieg klappt nur mit einem Stuhl am Gartenzaun. Obwohl es ein kleines Modell ist. Die ersten Fahrten kosten Mut. Heute bin ich bei meinem vierten Tallbike angelangt. Mit drei Rahmen aufeinander. Selbst geschweißt. Weil es in meiner Stadt inzwischen eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt gibt. Mit allen Möglichkeiten für den Bau. Dort kann man auch ein Tallbike ausprobieren.

Warum so ein „Freakbike“? Diese Riesenräder fallen auf. Sie bleiben beim Betrachter im Gedächtnis. Sie werden nicht als störend im Verkehr wahrgenommen. Kein Hupen, kein Drängeln, sondern gezückte Smartphones und Handykameras. Ungläubiges Staunen, Fragen nach dem Auf- und Abstieg. Ideale Werbung für das Fahrradfahren. Und kompletter Kontrast zum Alltag, in dem man im Verkehr hauptsächlich neutral bis negativ gesehen und behandelt wird.

Wie schnell sich doch die Wirkung ändert. Es braucht nur zwei statt einen Rahmen, um Gleichgültigkeit, Aggression und Hass in Bewunderung umzuwandeln.

Etwas Besonderes können, etwas Besonderes zur Schau stellen, positive Rückmeldungen bekommen: das ist es. Wenn ich für jedes Lachen, für jeden freudigen Zuruf, für jeden gehobenen Daumen, für jeden Applaus einen Cent bekommen würde, ich wäre reich. So bin ich es – auch ohne Geld.

Fotos, Videos und Kontakt:

http://bikekitchenaugsburg.wordpress.com/

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