Archiv für den Monat Januar 2012

Radlaufklingel: China-Schrott mit Spaßfaktor

Eine Radlaufklingel oder Sturmklingel wird wie ein Dynamo von der Laufradflanke angetrieben. Sie klingelt bei Betätigung ununterbrochen und recht laut. Über einen Seilzug wird sie vom Lenker aus an das Rad gezogen.

Es gab einen deutschen Hersteller, die Firma Reich. Sie hat diese Dauerklingeln in guter Qualität hergestellt. Selten wird eine dieser alten Klingeln gebraucht bei E-Bay angeboten und geht für 20 Euro plus über den Ladentisch.

Heute sind nur noch Nachbauten erhältlich. Inklusive Versand für unter 10 Euro. Dafür gibt es immerhin die Klingel selbst, die Befestigungsteile, den Lenkerhebel und den Seilzug. Dafür allerdings keine funktionierende Radlaufklingel.

Der erste Schritt zum zuverlässigen Erklingen des Klingeltons ist, die Klingel zu zerlegen und die gepressten beweglichen Innenteile durch geschraubte Versionen zu ersetzen. Danach die dünnen sich verbiegenden Gabel-Halterungen durch gebrauchte Qualitätsteile ersetzen. Die Seilzugaußenhülle besser zu fixieren, ist auch kein Luxus.

Ab hier macht die Klingel sehr viel Spaß. Sofern die Halterung ab und zu nachgezogen wird. Und der Betätigungshebel nicht leichtfertig verbogen wird. Das dünne Blech bietet keinen nenneswerten Widerstand. Nicht zu vergessen: der Anpressdruck an den Reifen sollte exakt austariert werden. Zu wenig: das Antriebsrad rutscht durch. Zu viel: die Blech-Halterung verbiegt sich.

Aufzupassen ist vor allem bei längeren Klingelstrecken, z.B. Bergabfahrten. Es kann passieren, dass sich das Antriebsrad auf der Achse verklemmt, stehen bleibt und schnell vom Reifen abgeschmirgelt wird.

Außerdem ist bei dünnen Mäntel (Rennrad) Vorsicht geboten. Bei Dauergeklingel reibt das Laufrad  – auch einer hochwertigen Reich-Originalglocke – schon mal die Flanke des Reifens durch, was die Fahrt abrupt beendet. Fast habe ich es vergessen. Nach sechs Monaten ist mit erheblichem Rostansatz zu rechnen. Tja, die mindere Chromqualität…

Radlaufklingeln sind übrigens seit 1960 verboten. Weil die Kids damit den ganzen Sonntag lang durch die Wohnstraße gesemmelt sind.

Es ein Wunder: trotz aller Widrigkeiten sind diese Radlaufglocken ein Riesenspaß. In langen Tunneln und unter vielen Menschen ganz besonders. Unbezahlbar.

Bilanz eines langen Autolebens

1991 bis 2007, 300.000 Kilometer, 10.000 Betriebsstunden. Ich hatte alle Rechnungen des Erstbesitzers und meine eigenen dazu:
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  Neupreis 1991:    15.000 Euro (umgerechnet)
  Zubehör:     4.000 Euro
  Wartung:     5.000 Euro
  Reparaturen:     9.000 Euro
  Steuer und Versicherung:    16.000 Euro
  Benzin 30.000 Liter:    40.000 Euro
  Verschrottung:         -80 Euro (Stahlwert)
  gesamt:    88.920 Euro

7 Reifensätze
7 Tüv-Besuche
8 kleine Inspektionen
12 große Inspektionen
11 Auspuffreparaturen
13 Bremsbelagwechsel
14 außerplanmäßige Reparaturen
30 Reifenwechsel Sommer/Winter
500 Tankstopps
3 kleine Unfälle

Tricks mit Fahrradteilen # 2: Seilzugendhülsen

Der Schalt- oder Bremszug ist eingebaut, das Ende abgeknipst. Jetzt droht es aufzuspleißen. An den kleinen Drähten kann man sich böse pieksen. Dafür gibt es Schutz-Hülsen, die man aufsteckt und mit einer Zange festquetscht. Keine zur Hand? Du kannst genauso gut alte Speichennippel verwenden. Die haben eine dickere Wandstärke und sind härter – Du brauchst mehr Kraft beim Quetschen. Das Ergebnis ist gleichwertig.

Eine gelbe Postkiste als Gepäckkorb

Diese gelben Kisten der Deutschen Post sind extrem stabil. Der Kunststoff ist dick und robust. Sie werden in und von Firmen zum Brieftransport verwendet und natürlich von der Post selbst.

In diesem Fall ist sie gut verschraubt und mit einem Reflektor ausgestattet. Einzig ein Detail fehlt: Löcher im Boden, durch die das Regenwasser ablaufen kann. Das funktioniert gut, wenn die Löcher ab und zu von Laub und Schmutz befreit werden.

Die Kisten aus wetterbeständigem Polypropylen gibt es im  Zustellerbedarf auch in rot und blau für ca. 15 Euro.

Stolz!

Ein Fahrrad namens „Mustang“! Das klingt nach Abenteuer, nach Kraft, nach Geschwindigkeit!

Heute steht dieses Fahrrad relativ unbeachtet an der Straßenecke. Als es neu gekauft wurde, war es wahrscheinlich der große Stolz des damals vermutlich jungen Besitzers.

  • Mit Aufkleber vom Zweirad-Fachgeschäft Wieländer, heute ein Autohaus mit Zweiradservice.
  • Mit Aufkleber „Geprüfter Radfahrer“ von der Verkehrswacht.

Was steckt eigentlich hinter dem grünen Aufkleber „Geprüfter Radfahrer“ ?

Die “Fahrradprüfung” für Kinder in der 4. Klasse, also mit ca. 10 Jahren:

Die Radfahrausbildung besteht aus theoretischer und praktischer Prüfung. Die Theorie wird in der Schule als Klassenarbeit geprüft. Die Praxis wird in einer der 1100 Jugendverkehrsschulen der 630 regionalen  Orts-, Gebiets- und Kreisverkehrswachten absolviert. Zuerst die Technikprüfung des Fahrrades. Danach die Fahrübung auf einer speziellen Übungsfläche, die echten Straßen nachempfunden ist. Mit Kreuzungen, Ampeln und Verkehrszeichen. Wer besteht, bekommt einen Fahrradausweis (Fahrradpass), einen Aufkleber “Geprüfter Radfahrer” und einen Wimpel. Die Fahrprüfung wird von Polizeibeamten abgenommen.

Die Deutsche Verkehrswacht e.V. machte übrigens von 1966 bis 2005 die beliebte, verrückte und heute nostalgische Sendung „Der Siebte Sinn“. Ich empfehle diese Folge über Frauen und Autofahren, eine schnelle Motorradfahrerin ohne Helm und einen Radfahrer, der gegen eine geöffnete Autotür knallt:

Werbefahrräder abstellen bzw. aufstellen – darf man das?

auf den ersten Blick fahrbereit

Ein platter Reifen ist kein Problem

In Augsburg wirbt zum Beispiel die Bikekitchen mit mehreren Werbefahrrädern. Der Radexpress Augsburg hatte auch ein paar verteilt und die Bergsporthütte benutzt für ihre Werbung ein Tandem. Ist das erlaubt?

In der relevanten „Satzung über Straßensondernutzungen in der Stadt Augsburg“ sind Werbefahrräder nicht erwähnt. In anderen Städten schon. Dort steht zum Beispiel: Genehmigungspflichtige Werbeanlagen sind … zu Werbezwecken abgestellte Werbefahrräder …

Nun ja, nicht jedes Fahrrad mit Werbung dran ist ein „Werbefahrrad“ und wird „zu Werbezwecken“ abgestellt. Um Ärger zu vermeiden, ist auf zwei verschiedene Sachverhalte zu achten:

  • es soll nicht so wirken, als wäre das Fahrrad ausschließlich zu Werbezwecken aufgestellt. Sondern es soll so aussehen, als würde das Fahrrad tatsächlich regelmäßig benutzt werden. Deshalb ist regelmäßiges Umparken sinnvoll.
  • das Fahrrad soll fahrbereit und nicht wie Abfall ausehen. Ab und zu nachsehen, Pflege und Reparatur bei Vandalismus. Sonst droht die Entfernung durch die Stadtreinigung.

Alle wichtigen Aspekte auf einen Blick:

  • Das Wichtigste: das Fahrrad regelmäßig umparken.
  • Auf die Pflege kommt es an. Vandalismus- und Wetterschäden schnell beseitigen.
  • Das Fahrrad so befestigen, dass es nicht umfallen kann. Aber nicht fest installieren.
  • Das Fahrrad sollte zumindest den Anschein erwecken, fahrbereit zu sein (Sattel, Lenker, Pedale usw. vorhanden)
  • Durch die Werbung sollte das Fahrrad nicht fahruntauglich werden, z.B. durch Plakate, die den Lenkeinschlag unmöglich machen.
  • Das Rad sollte niemanden behindern.
  • Direkt vor fremden Geschäften könnte es den Ladeninhaber stören – öffentliche Plätze sind besser.
  • Keine Bäume, privaten Zäune oder Fahnenmasten zum Anschließen benutzen, sondern nur städtische Einrichtungen wie Straßenschildmasten oder Fahrradabstellbügel.

Beispiele:

Das weiße Rad im Hintergrund: lange nicht bewegt und nicht gepflegt
-> Entsorgungsgefahr

Eigentlich nicht fahrbereit - aber keine langfristige Nutzung

Das Tandem ist sehr gepflegt und wird oft bewegt -> problemlos

Werbung im Fahrradkorb und trotzdem ganz sicher kein "Werbefahrrad"

Plakate verhindert Fahrtauglichkeit -> eindeutig ein "Werbefahrrad"