Was ich über Rennräder zu sagen habe.

Symbolfoto

Nichts. Ich habe keinen Bezug mehr dazu. Man nennt sie wegen der stark gebeugten Sitzposition auch „Streckbank“. Ich sitze lieber aufrecht -> slow bicycle movement.

Aber eine Geschichte kann ich erzählen: Mit 17 hatte ich ein tolles rot-weißes Motobecane-Rennrad für 800 DM gekauft. Mit einem Freund bin ich übers Wochenende nach Nürnberg gefahren, zu einem Fußball-Bundesligaspiel. Die ersten 40 Kilometer mussten wir auf dem schmalen Randstreifen der Bundesstraße B2 radeln. Als wir in Donauwörth ankamen, war mein weißen T-Shirt gesprenkelt mit dem von den vorbeifliegenden Autos aufgewirbelten Dreck der Straße und der LKWs. Das ließ sich nie mehr ganz rauswaschen. Wir fuhren 130 Kilometer an diesem Tag, teilweise bei Regen. Es war sehr erschöpfend; ich war untrainiert und hätte nicht gedacht, das zu schaffen.

Wir hatten ein kleines Zelt und „Badeluftmatratzen“ dabei, mickrig, dünn und schmal. Die Zeltstangen banden wir ans Oberrohr des Rennrades, den Rest stopften wir in eine Lenkertasche. Aus Platz- und Gewichtsgründen verzichteten wir auf eine Decke oder einen Pullover – es war ja August und warm genug, glaubten wir. Aber nachts auf dem städtischen Zeltplatz auf dem Rasen unter Bäumen wurde es so kalt, dass wir erbärmlich froren und wenig schliefen. Auch in der zweiten Nacht wurde es natürlich nicht besser. Ich war am Ende der Heimreise restlos erschöpft und schleppte mich die letzten 30 Kilometer quälend nach Hause. Dort fiel ich auf dem elterlichen Sofa in komatösen Tiefschlaf und konnte erst am nächsten Morgen geweckt werden.

Das Rennrad habe ich 10 Jahre später für 80 DM auf einem Flohmarkt verkauft. Weitere 10 Jahre später habe ich es auf einem anderen Flohmarkt wieder entdeckt. Es war definitiv meins – nach dem Preis habe ich aber nicht gefragt. Nach der langen Zeit verband mich nichts mehr mit dem Rad an sich; aber die Erinnerung an dieses sommerliche Abenteuer bleibt.

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