Singlespeed für lau

Er ist gerade total angesagt, der „Clean Look“ der Fixies und Singlespeeder. Keine Anbauteile am Fahrrad, keine Halterungen oder Gadgets. Dafür bezahlen die Enthusiasten sogar Aufschläge beim Händler. Oder sie cleanen selbst einen herkömmlichen Stahlrahmen. Sie entfernen dazu die angeschweißte Dynamohalterung. Und die kleinen Winkelstücke, in die man die Luftpumpen klemmt. Und die Halter für das Kettenschutzblech. Natürlich auch den Scheinwerferarm.

Ganz so weit ist dieser Künstler nicht gegangen. Dennoch hat er einen erstaunlich reduzierten Look hinbekommen. Weniger ist mehr! Das gilt nicht nur für die Technik. Auch der Preis des Umbaus ist unschlagbar: für lau, also für nichts, hat er diese Beauty erschaffen. Sofern ihm seine Mutter den Rahmen geschenkt hat.

Das Bike hat echte Highlights: den komplett auf das Rohr reduzierten Lenker. Das knackig kurze Schutzblech – selbst wenn es letztlich funktionslos bleibt. Wahrscheinlich ging die untere Befestigungsschraube nicht auf. Dort sammelt sich gerne der Dreck, deshalb gammelt diese Schraube besonders oft fest. Bleibt das Blech eben dran … Die absolute Reduktion hat er bei den Reifen betrieben: er hat hier partiell das Profil entfernt.

Dieses Bike ist so außergewöhnlich, nicht mal ein Schloss braucht es. Wer würde es schon klauen? Es ist wie bei einem gestohlenen Kunstwerk. Der Hehler kann es nur einem stillen Bewunderer andienen, der es in der stets geschlossenen Garage betrachtet. Wenn es wieder auf der Straße auftaucht, würde die Szene doch sofort Alarm schlagen.

Eine Frage bleibt: warum der Seitenständer? Hipster legen ihre Fixies grundsätzlich auf den Boden. Ist der Ständer als ein Akt der Subversion zu werten?

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